CampustvMarburg TAGEBUCH EINES STAMMZELL-SPENDERS
Dominique Bosle, neben Markus Voigt Vorsitzender von CTV Marburg, wird sich am 01.12.2011 zu einem Klinikaufenthalt in Frankfurt a.M.
einfinden, wo er als Stammzellspender fungieren wird.
An dieser Stelle wird es regelmässige Neuigkeiten und Informationen zu dem Eingriff und den zu treffenden und bereits vollzogenen Vorbereitungen
geben.
CTV Marburg wird filmisch und in Wort und Bild den kompletten Weg von der Typisierung (Registrierung) über Vorsorgemassnahmen bis hin zur
Entnahme begleiten. In Interviews lassen wir Experten und andere Beteiligte zu Wort kommen, zudem zeigen wir, wie man sich selbst engagieren kann.
Wir wünschen viel Freude beim Verfolgen dieser Sonderseite und freuen uns über ein reges Interesse.
Die CTV-Redaktion

Irgendwann im Jahr 2010 las ich davon, dass in Marburg - im Hörsaalgebäude in der Biegenstrasse - eine Typisierungsaktion
stattfinden würde.
Ich kenne die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderkartei) aufgrund eines damaligen Krankheitsfalles in meinem engeren Umfeld und war
trotz meines bis dahin weitreichenden Respekts vor Spritzen bereit und gewillt, an dieser Aktion teilzunehmen, um mich als potenzieller
Spender registrieren zu lassen.
Ich musste verschiedene Stationen im Eingangsbereich des Hörsaalgebädes durchlaufen und kam schliesslich an die Station, wo
man mir eine Blutprobe abnahm.
Im Frühjahr 2011 erhielt ich Post, unerwartet an irgendeinem beliebigen Tag, Absender: Die DKMS.
Ich würde als Spender für einen Patienten in Frage kommen, es bestehen Anhaltspunkte und nun sei man mir höflichst verbunden,
mich weiteren Untersuchungen meines Blutes zu unterziehen. Es folgte ein Termin beim Hausarzt, bei dem mir mehrere Kanülen voll
Blut entnommen wurden, welche per Post an ein Labor gesandt wurden.
Die Tests ergaben, dass ich tatsächlich für eine Spende im konkreten Falle geeignet sein sollte und mich mithin auf einen
Spendeeingriff innerhalb 2011 (bis Ende des Jahres) einstellen möge.
Ich erklärte mich dazu bereit, meine Termine entsprechend auszurichten und auch keine Reisen oder ähnlich zeitintensive
Verpflichtungen eingehen zu wollen.
In einem Telefonat mit der DKMS (mein persönlicher Berater sitzt in Tübingen) wurden mir Entnahmetermine im Dezember 2011
benannt und ich wählte die Termine 01.12.2011 und 02.12.2011, an denen ich mich in die Klinik nach Frankfurt a.M. begeben werde.
Ehe ich jedoch garantiert als Spender agieren kann, bedarf es einer Spenderfreigabe, welche ich erst nach Ableistung einer umfangreichen
Voruntersuchung in der Entnahmeklinik erhalten sollte. Dies ist zu meiner Freude über meine Gesundheit ohne Bedenken geschehen.
Fotos "Typisierungsaktion Marburg 2011": siehe unten!

Am Dienstag, den 08.11.2011 habe ich mich auf den Weg nach Frankfurt a.M. gemacht, um beim DRK Blutspendezentrum
den vorgeschriebenen Gesundheits-Check machen zu lassen.
Meine Fahrt begann gegen 6.00 in Marburg, um 8.30 sollte ich mich einfinden.
Zunächst sollte ich einen Abstecher bei einer Sonographischen Praxis machen. In dieser wurde eine Ultraschalluntersuchung
durchgeführt. Diese bewies: Meine Organe leben noch!
Mein Vormittag sollte indes im Blutspendezentrum von dannen schreiten, denn mehrere Stationen standen auf der Tagesordnung.
Zunächst wurde mir eine grössere Menge an Blut abgenommen. Im Anschluss daran durfte ich mich in der Klinik eigenen Minimensa
bedienen.
Bei Kaffee und belegten Brötchen (exzellent!) füllte ich dann zahlreiche Formulare aus, die zum einen Aufschluss über
meine bisherigen Wehwehchen bringen, zum anderen aber auch der Klinik bezüglich Risiken und Nebenwirkungen Sicherheit geben
sollten. An z.B. einen intimen Kontakt unter Häftlingen vermochte ich mich nicht zu erinnern.
Nach dem Kaffee sollte eine Urinprobe kein Problem mehr sein und ehe ich mich in sanitärem Umfeld vergessen würde, schritt ich
recht rasch zum EKG bei der betreuenden Ärztin. Ich wurde umfassend beraten, nicht zu vergessen ist doch, dass in ihrem Bericht auch
mein Beruf, Jurastudent, benannt wurde.
Nach Blutverlust, Tintenverlust, Harnverlust und Zeitverlust folgte die letzte Station: Aufklärung über das Setzen von vorbereitenden
Spritzen:
Vom 27.11.-01.12.2011, also bis unmittelbar vor der Spende, muss ich mir zweimal täglich, 9x in der Summe, eine Spritze setzen (lassen).
Diese sind zwingend notwendig für den anschliessenden Eingriff.

Die Stammzellapherese (von griechisch Apherese = Wegnahme) ist ein Verfahren zur Separation, also der Herausfilterung, der im Blut
enthaltenen Blutstammzellen. Das entstehende Blutprodukt, welches die Stammzellen enthält (das Apheresat), kann zum Therapieren
verschiedener Krankheiten entweder dem Spender selbst (autolog) oder einem bedürftigen merkmalskompatiblen Patienten (allogen)
transplantiert werden. Im letzten Fall stellt sie mittlerweile die bevorzugte Methode der Stammzellentnahme im Rahmen einer
Transplantation dar, da sie weniger invasiv als eine Knochenmarkentnahme ist.
Da der grösste Teil der Stammzellen im Knochenmark verbleibt, wird beim Patienten (womit auch der freiwillige Spender gemeint sein
kann), abhängig von Art und Indikation der Apherese, einige Tage vorher mit der Gabe des natürlichen, auch im Körper
vorkommenden Wachstumshormons G-CSF begonnen, das die Produktion von Stammzellen anregt.
Es wird im Regelfall durch kleine Spritzen subkutan wie etwa auch Insulin verabreicht, weshalb es sich der Patient auch selbst
verabreichen kann. Es wird immer eine genau berechnete Menge des Medikaments ausgegeben und der Patient eingehend vor der ersten Gabe
über die (Neben-)Wirkungen (siehe unten) aufgeklärt, um eine Überdosierung zu vermeiden. Richtig angewendet führt G-CSF
zu einer kontrollierten übermässigen Produktion der Stammzellen, welche dadurch auch vermehrt in den Blutkreislauf gelangen,
obwohl sie noch nicht ihr finales Entwicklungsstadium erreicht haben.
Täglich 2 Spritzen, optimalerweise in die Bauchfalte, ca. 07.00 und 19.00 Uhr, beginnend am Sonntag Morgen (!), 27.11.2011...
Eine Kommilitonin wird mir zur Seite stehen und das Präparat injezieren.

Am 01.12.2011 wird die Entnahme über das periphere Verfahren stattfinden. In einem 5-stündigen Akt wird mir über einen äusserlich
aufgebauten Blutkreislauf (via einen Arm) blutwäscheartig das für den Patienten notwendige Material entnommen.
Hierbei fliesst mein Blut am anderen Arm wieder über einen Zugang in den Körper zurück.
Ich werde hierbei dauerhaft überwacht sein und man wird mir je nach Bedarf Zitronensäure, Calcium und sonstige Substanzen zuführen.
Wenn die "Wäsche" nicht ausreichen sollte, muss ich am Folgetag weitere 5 Stunden zur Entnahme erscheinen.
CTV Marburg wird die Entnahme mit Kamera begleiten!








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